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Hans...


Die Geschichte meiner Konversion...

Es ist eine lange Geschichte und auch schon fast 10 Jahre her. Ich wurde christlich (evangelisch) erzogen und konfirmiert. Meine Eltern waren weder Atheisten noch besonders gläubig. Mit etwa 18 Jahren, mein Interesse galt den Naturwissenschaften, bekam ich immer mehr Zweifel an den Lehren der Kirche, speziell glaubte ich nicht daran, dass Jesus für die Sünden der ganzen Menschheit gestorben sein sollte, und dass jeder, der nicht daran glaubt, in die Hölle kommt. Das fand ich einfach ungerecht.

Dann studierte ich Chemie und Pharmazie, und die religiöse Frage trat in den Hintergrund. Ich habe dennoch nie aufgehört, an Gott zu glauben. Irgendwann bekam ich ein Buch in die Hand, das sich mit esoterischen Fragen beschäftigte. Eine neue Welt tat sich für mich auf. Ich kaufte ein esoterisches Buch nach dem anderen, damals Anfang der 80er Jahre war gerade die New Age-Welle. Nach und nach musste ich feststellen, dass in diesen Büchern viele Wahrheiten, aber auch viel offenkundiger Unsinn zu finden war.

So suchte ich bei den etablierten Religionen, da diese aufgrund ihrer langen Geschichte doch wohl mehr zu sagen hatten als irgendwelche selbsternannten Schamanen und Magier.

Ich befasste mich mit dem Buddhismus, der mich wegen seiner Friedfertigkeit sehr beeindruckte. Allerdings konnte ich mich mit der Lehre von den Wiedergeburten nicht recht anfreunden. Vor allem störte mich, dass Gott nicht erwähnt wurde.

An den Islam dachte ich damals noch gar nicht, weil dieser ja in unserer Gesellschaft einen denkbar schlechten Ruf hat. Ich nahm Kontakt zu den Baha'i auf. Sie gaben mir einige Bücher. Zunächst hatte ich vor, zu ihnen überzutreten, da mir ihr Glaube sehr zeitgemäß erschien.

Doch dann beschlichen mich Zweifel. War Baha'ullah, den sie als ihren Propheten ansehen, wirklich so bedeutend? Er hatte keine besonderen Taten vollbracht. Sein "heiligstes Buch" wurde geheimgehalten, sein "zweitheiligstes" erwies sich als klassischer schiitischer, esoterischer Korankommentar. Warum also einer Kopie hinterherjagen, wenn es das Original, den Islam gab.

Etwa zu dieser Zeit hatte ich begonnen, türkisch zu lernen, weil viele unserer Kunden in der Apotheke Türken waren, die damals noch kaum deutsch konnten. Mein erster Lehrer war kein gläubiger Muslim, aber er hatte großen Respekt vor den muslimischen Traditionen seines Landes. Danach kam eine Lehrerin, bei der ich später Privatunterricht hatte, nachdem der Volkshochschulkurs mangels Beteiligung ausfiel.

Nach dem Unterricht saßen die Familie und ich noch bei Tee und Kuchen zusammen. Dabei bemerkte ich, dass diese Leute, die einen ganz westlichen Lebensstil pflegten, sehr gläubig waren. Sie erklärten mir, dass Allah und der Christengott ein und derselbe sind, und den Zweck des Fastens im Monat Ramazan. Die Freundlichkeit und menschliche Wärme dieser Familie haben mein Bild vom Islam doch tiefgreifend verändert.

Zuvor schon hatte ich eine Urlaubsreise in die Türkei gemacht. Manches dort gefiel mir nicht so sehr. Was ich aber sehr beeindruckend fand, war die Offenheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft vieler Menschen, und der tiefe Friede, der in den großen alten Moscheen auf mich wirkte (am besten gefiel mir die Ulu Camii in Bursa).

Ich kaufte eine deutsche Übersetzung des Qur'an, und eine Hadith-Sammlung. Ich verstand vieles darin nicht, aber manches erschien mir gerade als Lösung der Probleme, die ich mit dem Christentum hatte. So dass es im Islam keine Erbsünde gibt, dass jeder Mensch nur für seine eigenen Handlungen verantwortlich ist, und manches andere. Und ich musste weder die 10 Gebote noch die Hochachtung vor Jesus (s.) aufgeben.

Ich war nun entschlossen, Muslim zu werden, hatte aber keine Ansprechpartner. So schrieb ich mehrere islamische Vereine an. Von einem bekam ich Antwort. Nach einigem zögern ging ich zu ihnen und stellte erst einmal viele Fragen. Beim zweiten Treffen wurde ich dann Muslim. Ich begann zu beten und zu fasten und hörte auf, Alkohol zu trinken und Schweinefleisch zu essen.

Nachtrag: Nach einigen Jahren fiel mein muslimischer Bekanntenkreis auseinander, und bedingt durch privaten und beruflichen Stress hörte ich auf, die Religion zu praktizieren. Erst seit kurzem, seit ich an den Internet-Foren teilnehme, habe ich wieder angefangen zu beten. Inschaallah werde ich es jetzt besser durchhalten. 

Hans..

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